Kinder, die ängstlich und unsicher wirken, können leicht Opfer von Hänseleien, Schlägereien oder Missbrauch werden. Wie können Eltern das Selbstwertgefühl ihrer Kinder stärken?

 

1. Eltern erzählen

„Ich habe den Eindruck, meine Tochter Lisa (3 J.) ist zu schüchtern. Zu Hause sitzt sie meistens schweigend da und malt. Auch die Kindergärtnerinnen sagen, sie sei sehr still. Obwohl ich sie oft frage: „Was hast du denn Kleines? Warum bist du heute wieder so still?“, antwortet sie mir nicht. Enttäuscht sage ich dann: „Diese Art kannst du nur von deiner Oma geerbt haben, die war auch immer so ruhig.“
Oliver W. (34.J.)

 

„Mein jüngster Sohn David (16 J.) hat schon wieder eine 5 in Mathe geschrieben. Letztes Jahr ist er wegen Mathe fast sitzen geblieben. Dabei habe ich ihm sogar Nachhilfestunden bezahlt. Es ist doch nicht verwunderlich, dass ich ihn neulich schimpfte: „Ich habe ja schon immer geahnt, dass du zu dumm für Mathe bist! Nicht mal Nachhilfestunden können dir helfen. So schaffst du die Versetzung nie!“

Verena S. (36 J.)

 

 

2. Was versteht man unter Selbstbild und Selbstwertgefühl?

Das Selbst-Bild eines Menschen spiegelt Überzeugungen und Aussagen wider, die eine Person über sich selbst hat. Das können teilweise ganz objektive Angaben zum Gewicht, oder Größe sein. Kommen zu den objektiven Angaben Bewertungen hinzu, z.B.: „Ich bin zu groß oder zu klein“, werden diese zu Teilen des Selbst-Wertes. Der Selbstwert, das heißt das Bild vom eigenen Wert, sagt aus, in welchem Maße sich ein Mensch in seiner Haut wohl fühlt. Kinder mit einem positiven Selbstwertgefühl haben meist eine positive Lebenseinstellung. Sie sind häufig hilfsbereite, in der Schule erfolgreiche und kontaktfreudige Menschen, die über ein großes Verhaltensrepertoire verfügen. Dieses ermöglicht ihnen, Konflikte angemessen zu lösen und soziale Kontakte zu knüpfen. Im Gegensatz dazu, empfinden sich Kinder mit geringem Selbstwertgefühl oft als nicht liebenswert und glauben, das Leben und die einhergehenden Probleme nicht bewältigen zu können.

 

 

Sätze, an denen Sie das positive Selbstwertgefühl Ihres Kindes erkennen:

 

  • Das schaffe ich schon!
  • Seht her, wie groß ich bin!
  • Beim nächsten Mal klappt es sicher!

 

 

Sätze, an denen Sie ein schwaches und negatives Selbstwertgefühl erkennen:

 

  • Das kann ich doch nicht!
  • Die anderen sind viel größer als ich!
  • Das hat doch keinen Sinn, ich schaffe das nie!

 

Da das Gefühl für den eigenen Selbst-Wert nicht angeboren ist, sondern von den Erfahrungen im sozialen Umfeld abhängt, können Eltern maßgeblich zur Stärkung des kindlichen Selbstwertgefühls beitragen.

 

 

3. Erziehungsalltag

Je hektischer unser Alltag, desto mehr leidet unser familiäres Zusammenleben. Denn auf Alltagshektik reagieren wir mit Stress und aggressiver Kommunikation. Wir rufen „Beeil dich!“, „Wir müssen schnell fertig werden!“ oder „Leg doch einen Zahn zu!“. Wenn es mal nicht so schnell läuft, mahnen wir „Du musst schneller sein!“, „Du bist doch ein hoffnungsloser Trödler!“ oder „Kannst du denn nie …?!“. Die in Eile gesagten Worte haben eine prägende Wirkung. Besonders dann, wenn Kinder immer wieder mit negativen Aussagen über ihr Verhalten konfrontiert werden. Aus tiefenpsychologischer Sicht spielen bei der Entwicklung des kindlichen Selbstwertgefühls die ersten sechs Lebensjahre eine wichtige Rolle. Je mehr Ermutigung und Bestätigung ein Kind von seinen Eltern erfährt, desto stärker entwickelt sich sein Selbstwertgefühl. Dabei kommt es nicht auf das Ergebnis an, sondern die Bemühungen des Kindes sind entscheidend. Werden nur die Leistungen gelobt, kann das Kind das Gefühl bekommen, dass selbst, wenn es sich bemüht, sein Bestes zu geben, dies nicht gut genug ist. Wird das Kind für den Versuch und die Verbesserung gelobt, wird es motivierter sein, auch schwierigere Aufgaben weiterzuführen. Wenn das Verhalten des Kindes häufig als falsch angesehen, abgelehnt und/oder bestraft wird, wird es sich selbst auch ablehnen. Als Elternteil sollte man sich deshalb fragen, welche Kommunikations- und Beziehungsmuster in der Familie vorherrschen.

 

 

4. Neue Wege gehen

a. Kinder verstehen lernen

 

Unterstützen Sie Ihr Kind beim Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls!

 

Im ersten Beispiel macht Lisas Schüchternheit ihrem Vater Sorgen. Wahrscheinlich bekommt sie deshalb auch immer wieder gesagt, sie solle mehr aus sich herausgehen. Durch die ständigen Mahnungen wird sie ihren Charakterzug als unangenehm und störend empfinden. Und da sich niemand unter solchen Umständen in der eigenen Haut wohl fühlen würde, wird auch sie Schwierigkeiten haben ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln. Lernen Sie das Wesen Ihres Kindes wertschätzen! Um Lisa beim Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls zu unterstützen, könnte der Vater seiner Tochter das Gefühl geben, dass er sie lieb hat und sie schätzt, so wie sie ist. „Lisa, ich habe dich lieb und freue mich, dass du so schön gemalt hast. Magst du mal mit mir das Bild anschauen und mir erzählen, was du gemalt hast?“. Durch die Aufmerksamkeit und Anerkennung des Vaters fühlt sich Lisa angenommen und lernt, auch sich selbst wertzuschätzen.

 

 

b. Sich selbst beobachten

 

Probieren Sie alternative Verhaltensweisen aus!

 

David hat eine 5 in Mathe geschrieben und das, obwohl ihm seine Mutter Nachhilfestunden bezahlt hat. Es ist ganz selbstverständlich, dass Davids Mutter im solchen Augenblick aus der Haut fahren könnte. Doch wenn sie nicht Gefahr laufen will, das wackelige, sich in der Entwicklung befindende Selbstwertgefüge ihres Kindes zu beschädigen, könnte sie z.B. so reagieren: „Ich glaube, du bist selbst nicht froh über die 5 in Mathe, oder? Liegt es daran, dass der Nachhilfelehrer dir den Stoff nicht vermitteln konnte? Soll ich vielleicht mit dir zusammen lernen? Ich denke, du könntest eine bessere Note schreiben. Hast du eine Idee was dir noch helfen könnte, deine Noten zu verbessern?“. Auf diese Weise könnte Davids Mutter das durch die schlechte Zensur beeinträchtigte Selbstwertgefühl ihres Sohnes ein wenig aufbauen. Ihr Glaube daran, dass David eine bessere Note schreiben könnte, stärkt Davids Selbstwertgefühl zusätzlich.

 

 

5. Lösungsvorschläge

Sie fragen sich sicherlich, was Ihr Kind braucht, um ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Es sind nicht immer die großen Liebesbeweise, die es stärken. Es sind vielmehr die kleinen Aufmerksamkeiten, die alltäglichen Vertrauensbeweise und die scheinbar nebensächlichen Gesten, die Kinder als wertschätzend erleben.

 

 

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieben.

 

Für die Entwicklung Ihres Kindes ist es wichtig, dass es von Anfang an spürt, dass Sie es lieben. Wenn ein Kind geliebt wird, fällt es ihm leichter, sich selbst zu lieben und Liebe zu geben. Elterliche Liebe findet Ausdruck in Worten, Gesten und Taten. Beim Toben, Kuscheln und Vorlesen. Überlegen Sie, wie in Ihrer Familie Liebesbeweise aussehen. Zeigen Sie Ihrem Kind Zuneigung indem Sie es z.B. in den Arm nehmen und ihm sagen „Ich hab dich lieb. Ich bin froh, dass du da bist.“

nach Honkanen-Schoberth, Starke Kinder brauchen starke Eltern. Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes, 2002;nach Sanders, Markie-Dadds, Turner, Positive Erziehung, 2003

 

 

Nehmen Sie Ihr Kind an, so wie es ist.

 

Wenn sich ein Kind Anerkennung und Aufmerksamkeit stets erst verdienen muss, wird es sich als Persönlichkeit nicht angenommen fühlen. Es wird wahrscheinlich nie das Gefühl entwickeln, sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen akzeptieren zu können. Sie können Ihrem Kind auf unterschiedliche Weise Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken. Ein Lächeln, ein Zuzwinkern, eine Berührung auf der Schulter oder einfache Gesten, wie z.B. ein freudiges „Daumen hoch“ können dem Kind Anerkennung signalisieren. Auch einfaches Zuschauen ist eine Form der Aufmerksamkeit, die Kinder häufig sehr genießen und die ihnen signalisiert, dass ihre Eltern sich für sie interessieren. Wenn Sie Ihr Kind so annehmen, wie es ist, mit all seinen Stärken und Schwächen, fördern Sie den Glauben Ihres Kindes an sich selbst und dadurch auch das Selbstvertrauen.

 

 

Fördern Sie Ihr gegenseitiges Vertrauen.

 

Kinder brauchen Vertrauen, dass ihre Eltern sich um sie kümmern, sie versorgen und ihnen immer zur Seite stehen. Deshalb ist es für Ihr Kind hilfreich, wenn Sie versuchen, regelmäßig während des Tages kurze Zeitspannen – bereits einige Minuten reichen häufig aus – mit ihm zu verbringen. Wenn Sie es in Aktivitäten einbeziehen und für Ihr Kind da sind, wenn es Sie braucht, gibt ihm das Sicherheit. Wenn Eltern ihren Kindern Vertrauen schenken, lernen Kinder, sich selbst zu vertrauen. Leiten Sie Ihr Kind an, Dinge alleine zu tun. Wenn es etwas alleine macht, lernt es, wozu es fähig ist. Sollte einmal etwas nicht funktionieren, unterstützen Sie es und ermutigen Sie es, Dinge auch weiterhin auszuprobieren. Erlauben Sie Ihrem Kind gewisse Risiken einzugehen und zeigen Sie ihm, dass Sie an es glauben. In einer vertrauensvollen Beziehung kann jeder so sein wie er ist, ohne belächelt oder verurteilt zu werden. Versuchen Sie deshalb, Ihr Kind ernst zu nehmen, auch wenn Sie anderer Meinung sind. Sätze, die mit „Findest du nicht auch…?“ beginnen, sind hilfreich, um mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen.

 

 

Loben Sie Ihr Kind.

 

Kinder brauchen das Gefühl, dass Eltern ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten anerkennen. So sind z.B. Kinder von Eltern, die an den schulischen Erfolg ihrer Sprösslinge glauben, häufig auch erfolgreicher, als Kinder an deren Fähigkeiten Eltern zweifeln. Lobende und anerkennende Worte sind der schnellste Weg, um das Selbstwertgefühl Ihres Kindes zu stärken. Loben Sie Ihr Kind wenigstens einmal am Tag. Sprechen Sie über Dinge, die Ihr Kind gut macht, anstatt nur seine Schwächen zu kritisieren. Bevor Sie über Schwächen reden, sprechen Sie zunächst über eine Stärke. Wichtig ist, dass Sie die Bemühungen Ihres Kindes anerkennen. D.h. Loben Sie Ihr Kind auch dann, wenn ihm was nicht gelungen ist; allein dafür, dass es den Versuch unternommen hat.

 

 

Kommunizieren Sie offen und fair.

 

Besonders wichtig für die Entwicklung des Selbstwertgefühls ist ein offener und fairer sprachlicher Umgang mit dem Kind. Sie sollten deshalb in Ihrem Alltag Ironie und Sarkasmus vermeiden. Kein Kind wird verstehen, was Sie mit „Das hast du ja prima hingekriegt“ meinen, wenn es etwas falsch gemacht hat. Versuchen Sie auch das Gesagte mit Ihrer Haltung und Ihren Gesten abzustimmen. Es wird Ihr Kind verunsichern, wenn Sie mit einem traurigen Lächeln sagen „Ich freue mich …“.
nach Suer, Selbstbewusstsein der Kinder stärken. Das Online-Familienbuch, 2004

 

 

Fördern Sie die Selbsteinschätzung Ihres Kindes.

 

Es ist wichtig zu lernen, sein eigenes Handeln einzuschätzen und zu schauen, was man gut kann und wo man Unterstützung benötigt. Ermuntern Sie Ihr Kind, an das zu denken, was es gut kann und was es an sich mag. Verdeutlichen Sie ihm, dass es nicht so sein muss wie alle anderen und dass es gut ist, dass es Menschen mit unterschiedlichen Talenten gibt. Wenn Ihr Kind einen Fehler macht, vermeiden Sie, es zu schimpfen und zu tadeln, sondern unterstützen Sie es, bei seinen Überlegungen, wie es den Fehler zukünftig vermeiden könnte.
nach Markie-Dadds, Turner, Sanders, 2000 Kleiner Helfer. Förderung des Selbstbewusstseins.

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